Burg Reinhardstein bietet eine spannende Entdeckungsreise in die Geschichte und die Natur

Wo die Metternichs residierten

Foto: Ⓒ WBT - SPRL Cernix-Pierre Pauquay

Man muss schon in die Einsamkeit des Warchetales herabfahren, in die Nähe des Stausees von Robertville, um sie zu entdecken. Sie verspricht denn auch geheimnisvolles Knistern inmitten der Stille der Natur. Die Burg Reinhardstein versetzt einen ins Mittelalter zurück, mystisch, düster und dennoch von besonderer Romantik.

Das Anwesen erhebt sich zirka 60 Meter hoch auf einem Felsen über der Warche, obwohl es im Tal liegt, erkennbar erst beim Herangehen an die Festung. Sie ist neben der Eyneburg in Hergenrath das Kleinod Ostbelgiens. Wie in einer Fabel tauchen ihre Konturen aus dem Mantel der grünen Umgebung dieses Naturschutzgebietes auf. Ein Fußweg führt aus Richtung Ovifat an die Burg heran, aber auch vom Stausee aus. Direkt an der Staumauer vorbei ist ein Pfad von zirka 800 Metern Länge ausgeschildert.

Die Burg trotzte Jahrhunderte lang als Wächter über das Warchetal den Eindringlingen. Man fand keltische Spuren und die Vermutung liegt nahe, dass hier bereits zu Zeiten Karls des Großen eine kleine Festung gestanden hat. Im 14. Jahrhundert wurde sie durch Reinhard von Weismes (vermutlich daher der Name Reinhardstein) im Auftrag des Herzogs Wenzel von Luxemburg zum Schloss ausgebaut. Eine Urkunde darüber existiert noch.

Anschließend ging Reinhardstein im Lauf der Zeit in den Besitz verschiedener europäischer Adelsfamilien über, da Reinhard von Weismes keine Nachkommen hatte. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts war Hadrian von Nassau, ein unehelicher Sohn des Herzogs von Vianden, Herr des Schlosses. Seine Enkeltochter Anne heiratete 1550 einen Wilhelm von Metternich. Damit begann die Epoche, in der das berühmte Geschlecht der Metternichs etwa 250 Jahre hier residierte. Das Schloss wird deshalb auch als Burg Metternich bezeichnet.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde es an einen Baumaterialienhändler verkauft, der das Schloss fast vollständig abtragen ließ. 150 Jahre Dornröschenschlaf legten sich von nun aber über Burg Metternich. Es war im Jahre 1969, als der Brüsseler Professor Jean Overloop, ein Grandseigneur alter Schule und leidenschaftlicher Sammler, sich dieses herrlichen Fleckens annahm.

Ihm gelang es tatsächlich den größten Teil der verwahrlosten Burgruine in wenigen Jahren wieder aufzubauen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts erlebte die Burg eine regelrechte Renaissance. Sie wurde von ihrem neuen Besitzer wieder eingerichtet und in den siebziger Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Durch die schmale Eisentür, kaum als Eingang zu erkennen, betritt man die Burg. Das Innere atmet mittelalterliche Geschichte. Gleich könnte ein Burgfräulein den Raum betreten, das seinen Ritter zurück erwartet, vom Klacken der Pferdehufe auf dem steinernen Burghof erfreut. Professor Overloop hat aus der Burg ein wahres Schatzkästlein gemacht.

Foto: Ⓒ WBT - S.Wittenbol

Der Besucher staunt über die zahlreichen Gegenstände, die der Sammler aus ganz Europa hier zusammengetragen hat. Den ehemaligen Wächtersaal schmückt eine Büste Karls des Großen (es gibt nur zwei in der gesamten Region) vor einem großen Wandteppich. Ob Schränke, Gemälde, Rüstungen, Wappen, Schilder, Kronleuchter und Gobelins, die Räumlichkeiten der Burg stecken voller Andenken und geschichtlicher Pretiosen. Der Rittersaal, den man ganzjährig auf Anfrage für Feierlichkeiten anmieten kann, ist der imponierendste Raum neben der kleinen Kapelle auf der oberen Etage. Hier sind viele sakrale Kunst-und Gebrauchsgegenstände ausgestellt.

Über knarrende Stiegen gelangt man in den Wohnturm, den Privaträumen der Burg. Sie vermitteln einen Eindruck vom Leben in der damaligen Zeit. Fast schon überbordend sind hier die vielen Kostbarkeiten und Objekte aus der Sammlung des Professors in den vollständig ausgestatteten Zimmern. Um das Schloss herum ist ein Wanderweg ausgeschildert (zirka 3/4 Std.), der zu einem Kuriosum führt, dem höchsten Wasserfall Belgiens (40 Meter), gespeist aus dem kleinen Bach, der zur Burg herunter plätschert. Überhaupt ist die Region der Warche, die sowohl den Stausee von Robertville als auch den von Bütgenbach füllt, ein Wanderparadies, das stets eine Entdeckung lohnt. Das Flüsschen schlängelt sich durch die Naturgebiete zwischen Malmedy und Robertville. Sein Lauf wird durch die beiden schönen Seen unterbrochen.

Burg Reinhardstein ist auch Schauplatz von verschiedenen Veranstaltungen wie Mittelalterfest, Konzerte, Ausstellungen und Möglichkeiten für Seminare und Firmenevents im besonderen Ambiente. Nähere Informationen finden sich auf der Internetseite.

Weihnachten auf der Burg
Vom ersten Dezember 2017 bis zum 15. Januar 2018:

Erleben Sie die winterliche Zauberei der Burg im Weihnachtsschmuck und auch Märchenvorträge im Schein der Kerzenlichter, den Besuch des Weihnachtsmannes, Glühwein und Weihnachtsstollen.

Detailliertes Programm vom 15. Dezember ab.

Praktische Informationen:
Das Schloss ist nur zu Fuß erreichbar, Autos müssen auf dem 500 Meter entfernten Parkplatz stehen beiben. Das Schloss ist ganzjährig geöffnet (außer Januar) an Wochenenden und an Feiertagen. Auch dienstags, mittwochs und donnerstags während der Schulferien (Belgien und Niederlande): Karneval, Ostern, Himmelfahrt, Pfingsten, Allerheiligen, Weihnachten und Neujahr.

Besichtigungen: Samstags und sonntags: 11, 12, 13, 14, 15 und 16 Uhr.
Zusätzliche Besichtigungszeiten: Mittwochs: 14.30 Uhr. Feiertage: 11.30, 13 und 14.30 Uhr.
Schulferien: täglich außer freitags um 11.30, 13 und 14.30.
Bei Schnee empfiehlt es sich, die Erreichbarkeit des Schlosses telefonisch anzufragen

Von: Rolf Minderjahn

Am: 30.10.2017

In: KulturNews

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