Museum, Produktion, Ateliers, Boutique und Café

La Chocolaterie

Belgien hat viele Schokoladenseiten, im wahrsten Sinne des Wortes. Eine ganz besondere Form davon kann man jetzt in Verviers genießen.

Wie eine überdimensionale Pralinenschachtel hat man das strahlend weiße Gebäude mitten auf das Parkgelände am Outlet Center in der City von Verviers gestellt. Es ist das neue Refugium eines der großen Maîtres Chocolatiers Belgiens: Jean-Philippe Darcis, seines Zeichens „Ambassadeur du chocolat belge“, Botschafter belgischer Schokolade auf Lebenszeit.

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In diesem kubischen Schlemmerzentrum ist nicht nur die Produktion untergebracht, die man durch Fensterscheiben verfolgen kann, sondern auch ein sehr interessantes und lehrreiches Museum rundum die Schokolade. Zum insgesamt 2.800 Quadratmeter großen Komplex gehören weiterhin eine Boutique und der Probiersalon mit Terrasse sowie die „Académie Darcis“, wo Profis und Laien in Workshops in die Geheimnisse des Chocolatiers eingeweiht werden.

Bevor es ans Probieren und Naschen geht, empfiehlt sich der Besuch des Museums, das über zwei Etagen eingerichtet ist, damit man so richtig auf den Geschmack kommt. Das beginnt schon am Eingang des Museumsrundgangs. Statt Eintrittskarten gibt es eine kleine Schachtel mit drei verschiedenen Pralinensorten. Die kleinen Verführer sollte man jedoch nicht gleich verdrücken, auch wenn es schwer fällt, da man im Laufe des Weges durch die Räumlichkeiten an bestimmten Punkten dazu aufgefordert wird, sie zu verkosten.

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Nun beginnt die Reise per Audioguide in die Geschichte, in die Geheimnisse der Schokolade und in die faszinierende Welt der Entdecker im Laderaum eines Schiffs. Welcher Europäer lernte als erster die Kakaobohne kennen? Wann und wie kamen die ersten Säcke Kakaobohnen nach Europa? Warum dauerte es noch Jahrzehnte, bis die Europäer endlich von der Schokolade überzeugt waren? Hier kommt die Rezeptur einer Karmeliterin ins Spiel und Belgien, eine der großen Schokoladennationen. Flämische Städte wie Brügge, Antwerpen und Gent wurden zur Drehscheibe des europäischen Schokoladenhandels. Wie sich der Siegeszug der Schokolade von Land zu Land in Europa fortsetzte, wird sehr schön und beispielhaft dargestellt.

Nicht ohne Grund steht dieses Museum in der Stadt Verviers, eigentlich eine alte Woll- und Tuchmacherstadt. Ihre Geschichte ist aber sehr eng mit derjenigen der Schokolade verknüpft, was kaum jemand wissen dürfte. Im Jahre 1860 wurde die erste dampfbetriebene Schokoladenfabrik mit modernen Geräten hier eröffnet, der Beginn eines Schokoladennetzes, das bald die ganze Stadt umspannte, und jetzt in dieser Schaffensstätte von Jean-Philippe Darcis fortgeführt wird. Der Schokoladenmacher bleibt seiner Heimatregion treu. Und das aus gutem Grund.

„Unsere Produkte sind authentisch, regional basiert“, betont Darcis. „Das Umland um Verviers bietet Hervorragendes wie etwa Milch und Butter aus dem Herver Land, aber auch Obst für unsere Pâtisserie. Diese Philosophie des „Terroirs“, des Heimatbodens, ist nicht nur für mich sehr wichtig, sondern auch für die Region“.

Schokoladige Interaktion

Auf der Tour durchs Museum wird an verschiedenen viersprachigen Informationstafeln sehr ausführlich die Charakteristik, der Geschmack, die Sortenvielfalt und die bezaubernde Welt der Aromen und Geschmackserfahrungen der Schokolade illustriert, aber auch die therapeutische Wirkung der Schokolade. Der Besucher wird durch Interaktion immer wieder mit hinein in das Thema genommen. Denn, wer kann nicht mitreden, wenn es darum geht, wie schön ein Biss in eine Schokoladentafel ist.

Die Aussicht auf über 500 verschiedene Aromastoffe in Schokolade, die Fachleute entdeckt haben, machen dann doch schon wieder neugierig auf das Weiterlesen. Schließlich kann man auch seine Nase in verschiedene verdeckte Gewürzdosen stecken, seinen Geruchssinn auf die Probe stellen. Pfefferminz oder Koriander? Das ist gar nicht so einfach zu entscheiden. Ein Blick auf die Lösungskarte lässt manchen staunen.

Darcis
Jean Philippe Darcis, Botschafter belgischer Schokolade

Das Museum ist interaktiv und sehr anschaulich dekoriert, unter anderem mit einer originalgetreuen Schokoladenboutique vom Beginn des 20 Jahrhunderts, Geräten und Accessoires zur handwerklichen Herstellung von Schokolade oder auch einem gediegenen „Salon bourgeois“ aus den Zeiten der Französischen Revolution. Auf der oberen Etage können Besucher einen Blick in die Produktionsateliers auf die glänzenden Flächen mit den Reihen frisch aus den Formen gedrückten Konfekt- und Schokoladennaschwerks werfen.

Weiter geht es dann zu den Ursprungsländern der Kakaobohne. Anhand eines Films wird deutlich, wie intensiv sich die Suche nach der besten Kakaobohne gestaltet. Jean-Philippe Darcis ist einer von wenigen, so genannten „Cacaoféviers“, weltweit, die Schokolade von Beginn an aus Kakaobohnen herstellen und nicht aus eingekaufter herkömmlicher Kakaomasse. „Ich kaufe meine Kakaobohnen, die ich dann hier vor Ort selbst verarbeite, direkt bei den kleinen Plantagenbesitzern“, betont Darcis. „Ich bin stets auf der Suche nach den besten Kakaobohnen weltweit, etwa in Ecuador oder Madagaskar“. Das ist der Grund, warum eine Tafel Schokolade von Darcis zwischen 56 % und 100 % Kakaoanteil hat. „Bean to bar“ nennt sich das Konzept, Bohne zu Tafel.

Der mehrfach ausgezeichnete Darcis ist ein Multitalent in Sachen süßer Kreationen. Es geht vom feinen Gebäck bis zur dichten, starken Schokolade, von köstlicher Eiscreme bis zum im Mund zart schmelzenden Javanais. Er ist vor allem Pionier in der Herstellung der typischen belgischen „Macarons“. Zwischen einer Baiser-Doppelscheibe aus Mandelpulver, Zucker und Ei schmiegt sich eine zarte Ganache oder Buttercreme.

Nach dieser Appetit auf mehr machenden Besichtigung darf ein Blick und das Schlendern durch die Boutique, die inklusive Café, eine stattliche Größe von rund 420 m² hat, vorbei an der Phalanx der Vitrinen mit Pâtisserie, Kuchen, Torten, Gebäck und dem ganzen Sortiment aus dem Hause Darcis nicht fehlen. Im hauseigenen Café mit Sonnenterrasse kann man nicht nur die Spezialitäten vor Ort mit einer Tasse heißer Schokolade oder Kaffee dazu probieren, sondern auch kleine Gerichte und Snacks bestellen.

Von: Rolf Minderjahn

Am: 11.04.2017

In: GastroNews

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